|
Die begrenzten weltweiten Ressourcen sind ungleich verteilt. Wir in Deutschland gehören zu den 20% der
Menschen, die 80% aller verfügbaren Ressourcen der Erde beanspruchen. Unser "Reichtum" hinterlässt Spuren:
Menschen werden vertrieben, verlieren ihre Existenzgrundlagen oder sind Gesundheitsgefahren ausgesetzt.
Papierverbrauch ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Er steht stellvertretend für unseren grenzenlosen Konsum, unseren Umgang mit verfügbaren Ressourcen und mit anderen Menschen. Was haben Indonesien, Brasilien und Kanada mit unserem Papier zu tun? Weltweit sind Menschen von den Auswirkungen unseres Papierkonsums betroffen. Wir wissen davon häufig leider recht wenig. Für den Papierverbrauch in Deutschland werden Papier und Faserstoffe aus 130 Ländern importiert. Zu den Hauptlieferländern gehören Finnland, Schweden, Kanada, Brasilien, Portugal, USA, Spanien, und Norwegen. |
|
Indonesien Brasilien Kanada |


Mit 17.508 Inseln ist Indonesien der größte Inselstaat der Erde. Nach Brasilien und der Republik Kongo beheimatet Indonesien das drittgrößte Vorkommen tropischen Regenwaldes. 95 Millionen Hektar Regenwald bedecken das Land, sie gelten als die artenreichsten weltweit.
Alles andere als "ökologisch" und "sozial"
Kein anderes Land der Erde vernichtet Regenwälder in so rasantem Tempo: Jährlich werden in Indonesien 3,5 Millionen Hektar Wald (eine Fläche etwa so groß wie Nordrhein-Westfahlen) abgeholzt, das ist eine Fläche von rund 5 Millionen Fußballfeldern. Auf der indonesischen Insel Sumatra wurden in den letzten 15 Jahren riesige Zellstoff- und Papierfabriken gebaut. Die wenigen Umweltbestimmungen, die es dort gibt, werden kaum überprüft.
Dreckiges Wasser - kranke Menschen
Durch das Bleichen von Zellstoff mit Chlor entstehen giftige Abwässer, die ungeklärt in die Flüsse geleitet werden und die Menschen krank machen. Bewohner entlang der Flüsse berichten, dass seit Produktionsbeginn der Zellstoffwerke verstärkt Hauterkrankungen, Husten und Atemschwierigkeiten in den Gemeinden auftreten. Zudem beklagt die indonesische Bevölkerung den Verlust der Wälder, die ehemals ihre Existenz sicherten. Plantagen, die "Rohstofflieferanten der Zukunft" sind für sie kein Ersatz für die artenreichen Urwälder. Die Plantagenwirtschaft zerstört weit mehr Arbeitsplätze und Überlebensmöglichkeiten, als dass neue Arbeitsplätze durch die Plantagen und die Zellstoffwerke geschaffen werden. Die lokale Bevölkerung wird in der Regel auch nicht an den Landnutzungsentscheidungen beteiligt.


Die artenreichen tropischen Regenwälder Sumatras sind die Heimat von Tigern, Gibbons, Schabrackentapiren, Orang-Utans und vielen anderen seltenen Tieren. In den letzten 100 Jahren wurde die Zahl der Orang-Utans um 91 % auf weniger als 30.000 Tiere dezimiert. Ob sie die nächsten 10 Jahre überleben ist fraglich.
Die letzte Chance:
Unser Beitrag für die Wälder in Indonesien Die Wälder Sumatras, Tropenwald auf einer Fläche von 3,5 Millionen Hektar, gelten heute bereits als verloren. Der Grund: Die riesigen Zellstofffabriken, mit denen in den 80er Jahren der Raubbau in den Regenwäldern begann. Jedes Jahr fällt eine Waldfläche von der Größe NRWs dem wachsenden "Papierhunger" zum Opfer. Nach Prognosen der Weltbank wird der Tiefenlandregenwald Sumatras in den nächsten Jahren komplett verschwinden. Die Zellstoffindustrie entzieht sich ihrer Verantwortung und Kontrollen von staatlicher Seite fehlen. Die einzige Möglichkeit Druck auszuüben, ist die Weigerung der Konsumenten, derart "schmutziges Papier" zu kaufen, am besten überall auf der Welt. In Deutschland finden wir indonesische Zellstoff- und Papierfertigprodukte als billiges Kopierpapier, z.B. der Marken "Golden plus" und "Paper One".
Mehr Infos:
www.robinwood.de
www.urgewald.de

Brasilien ist das fünftgrößte Land der Erde, 24-mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Brasilien verfügt über unterschiedliche artenreiche Ökosysteme wie die Tieflandregenwälder Amazoniens, über Küstenregenwälder, Buschvegetationen und Savannen.
Grüne Wüsten - wo gibt's denn so was?
Die wertvollen Ökosysteme und fruchtbare Ackerflächen Brasiliens werden von großflächigen Eukalyptus-Plantagen verdrängt. Kleinbauern durch Großkonzerne von ihren Ländereien vertrieben. Die Plantagen werden von der Bevölkerung als "Grüne Wüsten" bezeichnet, da sie keinen Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen bieten. Das Überleben inmitten der Eukalyptusplantagen wird für die Menschen immer schwieriger. Die bei der Bewirtschaftung eingesetzten Pestizide verschmutzen die Flüsse. Der extrem hohe Wasserbedarf der Plantagenpflanzen trägt zur Austrocknung der Böden bei. Die Lebensbedingungen von Bauern und Fischern haben sich durch die Plantagen verschlechtert.
Klopapier kann man nicht essen!
Die einseitige Forst- und Landwirtschaft auf großflächigen Plantagen für den Export geht zulasten des Anbaus von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Bohnen und Früchten für die Versorgung der Bevölkerung. Die traurige Bilanz dieser Entwicklung und einer sehr ungleichen Landbesitzverteilung: In Brasilien sterben jährlich mehr als 10.000 Kinder an Hunger und noch immer leben über 20 % aller BrasilianerInnen in Armut. Deutschland importierte im Jahr 2001 etwa 250.000 Tonnen Zellstoff (hauptsächlich Eukalyptuszellstoff) aus Brasilien. Unerhört: Für Tempo-Taschentücher, Charmin- und Hakle- Klopapier werden in Brasilien Menschen vertrieben und die Umwelt zerstört.
Zellstoffherstellung macht krank - Das schmutzige Geschäft mit dem weißen Papier.
Mehr Infos:
www.pro-regenwald.org
www.regenwald.org
www.robinwood.de
www.urgewald.de


Kanada ist bekannt für seine unberührte Wildnis. Scheinbar unendliche Wälder, smaragdfarbene Fjorde und unberührte Seen, das wollen Urlauber sehen und genießen.
Eine Lizenz zum Plündern?
Kanada gehört zu den wald- und artenreichsten Ländern der Erde. An der Westküste Kanadas, in Britisch Kolumbien existiert ein einzigartiges Ökosystem: der temperate Regenwald, Teile davon sind bekannt unter dem Namen "Great Bear Rainforest".
Die kanadische Regierung vergibt Jahr für Jahr Einschlaglizenzen an Holzkonzerne, "Lizenzen zum Plündern", denn pro Jahr wird in Kanada etwa 1 Million Hektar Wald gerodet. 90 % der Einschläge finden in Urwäldern statt, so dass bereits mehr als 40 % der Urwälder Kanadas zerstört sind. Ungeachtet der Folgen geht der Raubbau der sensiblen Waldgebiete weiter. Das hat fatale Folgen: Der Boden wird weggeschwemmt, Flüsse versanden, die Tier- und Pflanzenwelt Kanadas wird zerstört.
1 Millionen Hektar Wald entspricht der unverstellbaren Fläche von etwa 1,4 Millionen Fußballfeldern. Würde man in Deutschland 1 Millionen Hektar Wald roden, wären das ca. 1/10 des gesamten deutschen Waldes, das heißt, in 10 Jahren gäbe es bei uns keinen einzigen Wald mehr.
First Nations - schon mal gehört?
Wälder sind seit vielen tausend Jahren Lebensraum indianischer Völker. Für sie ist der Wald Lebensgrundlage und von großer spiritueller wie kultureller Bedeutung. 80 % der First Nations - so nennen sich die indigenen Völker Nordamerikas selbst - sind von intakten Wäldern und sauberen Flüssen abhängig.
Seit Jahren verstoßen große Konzerne gegen die Land- und Nutzungsrechte der First Nations. Die Zellstoffwerke verschmutzen Flüsse und Seen und damit das Trinkwasser der Menschen. Durch die Kahlschläge werden die traditionellen Jagdgebiete zerstört. Ein Großteil der insgesamt 1 Mio. Ureinwohner Kanadas lebt in Reservaten, obwohl die Mehrheit der indianischen Völker ihr Land weder verkauft, noch an die Regierung abgetreten hat. Das heißt, dass die First Nations nach geltendem Recht Besitzer ihres traditionellen Landes sind. Bis heute müssen die First Nations jedoch um ihre Land- und Nutzungsrechte und gegen die rücksichtslose Plünderung ihrer Wälder kämpfen.
Mehr Infos:
www.greenpeace.de
www.urgewald.de

